Dein innerer Leuchtturm – Yoga, Sommer, Erholung...
- roswithayoga
- vor 3 Tagen
- 7 Min. Lesezeit
Ein Artikel für alle, die wieder aus sich selbst heraus leuchten wollen.

Der Sommer öffnet etwas in uns.
Die Tage sind länger, das Licht weicher, und wir erlauben uns, langsamer zu werden (oder auch nicht ;-)).
Wir fahren ans Meer, in die Berge, oder genießen den eigenen Garten – und suchen dort, was wir das ganze Jahr über selten wirklich finden: Ruhe. Erholung.
Einen Moment, in dem nichts von uns verlangt wird.
Und doch kennen wir alle dieses Gefühl: Man liegt am Strand, der Kopf ist aber noch im Büro/bei der Arbeit. Man macht Urlaub – und ist trotzdem nicht wirklich da. Genau hier beginnt die Reise, um die es in diesem Artikel gehen soll. Nicht die Reise ans Ziel, sondern die Reise zurück zu sich selbst.
Der Leuchtturm - Orientierung

Viele verbinden einen Leuchtturm, mit Urlaub, Meer, etwas Magisches, da es diese wunderbaren Orientierungshilfen relativ selten (bei uns) gibt.
Ein Leuchtturm steht fest verankert im Sturm. Wellen brechen an ihm, Wind zerrt an seinen Mauern, und doch bleibt er stehen – ruhig, aufrecht, verlässlich. Er kämpft nicht gegen das Meer. Er muss es auch nicht.
Er hat seinen Platz, sein Fundament,
sein Licht.
im Yoga sprechen wir von Sthira – Standhaftigkeit, Stabilität, das ruhige Verankertsein in sich selbst.
Im eines der Yoga-Sutra des Patanjali heißt es sinngemäß, dass eine gute Haltung – körperlich wie innerlich – zwei Eigenschaften braucht:
Sthira (Festigkeit) und Sukha (Leichtigkeit, Wohlgefühl).
Beides zusammen: fest verwurzelt, stabil und dabei leicht und entspannt.
Die Frage, die sich für den Alltag ergibt, ist einfach und doch groß:

Was ist dein Leuchtturm im Alltag?
Was gibt dir diese Art von Festigkeit, wenn um dich herum die Wellen hochgehen?
Für manche ist es die Morgenroutine, der erste Kaffee bevor der Alltag beginnt.
Für andere ist es eine Person, ein Ritual, ein Ort. Für manche ist es die Yogamatte – ein kleiner, immer gleicher Raum, der Halt und Ruhe gibt, egal was der Tag bringt.
Eine persönliche Geschichte: Festsitzen am Gipfel

Hier eine Geschichte, die mir wieder gezeigt hat, wie viel Yoga-Philosophie in ganz alltäglichen Momenten steckt.
Es war ein Sonntag vor 2 Wochen. Wir waren zu siebt unterwegs – mein Freund, seine Töchter mit Partner, Schwiegerpapa und unser Enkerl, gerade mal 2,5 Jahre alt. Gemeinsam fuhren wir mit der Gondel auf unseren Hausberg, machten einen Spaziergang, Laurenz hat den Spielplatz ausgiebig erkundet, und wir ließen den Tag bei einem gemütlichen Essen auf einer Hütte ausklingen. Ein schöner, entspannter, leichter Tag – bis sich der Himmel verdunkelte. Ein Unwetter zog auf, schneller, als wir gedacht haben. Wir schafften es zwar rechtzeitig im Regen zurück zur Gondelstation, doch aufgrund des Unwetters war diese außer Betrieb. Glücklicherweise gab es nebenan ein kleines Cafe, wo wir Unterschlupf gefunden haben, jetzt war warten angesagt.
Draußen tobte der Sturm, drinnen saßen wir und wussten nicht, ob und wann die Gondel wieder fahren würde. Wir waren ganz oben am Gipfel, und der Wunsch, den wir alle hatten, war einfach: wieder sicher nach unten zu kommen.
Es gab nichts, was wir tun konnten.
Kein Verhandeln mit dem Wetter, kein Beschleunigen der Zeit.
Nur warten!
Genau in diesem Warten ist mir bewusst geworden, was der Leuchtturm und das Leben uns eigentlich lehrt:
Man kann den Sturm (das Außen) nicht kontrollieren, aber man kann immer entscheiden, wie fest man in sich selbst steht, während er/es tobt.
Im Yoga gibt es dafür den Begriff Ishvara Pranidhana – das Hingeben an etwas Größeres als sich selbst, das Loslassen von Kontrolle, wo Kontrolle ohnehin nicht möglich ist.
Kein resigniertes Aufgeben, sondern ein aktives Vertrauen:
Es wird sich lösen, so oder so,
auch wenn wir in diesem Moment nicht wussten, wie und wann.
Rückblickend war dieser Nachmittag im Cafe am Gipfel eine ungeplante, aber wirkungsvolle Übung in Pratyahara und Santosha/Zufriedenheit zugleich. Wir konnten die Situation nicht ändern, wohl aber, wie wir mit ihr umgingen – und wie viel Ruhe wir gemeinsam an unser Enkerl weitergeben konnten, einfach indem wir selbst ruhig blieben. Nach einigen Stunden beruhigte sich der Sturm, die Gondel fuhr wieder, und der Weg nach unten war für uns alle eine große Erleichterung, ein Ankommen, im Tal – am Boden (und bei sich selbst zugleich).
Genau das ist es, was der Leuchtturm in uns kann:
Er verändert den Sturm nicht.
Aber er gibt uns die Ruhe, ihn auszuhalten – und schenkt auch denen Sicherheit,
die sich an uns festhalten, bis der Weg wieder frei wird.
Wo leuchtest du?

Ein Leuchtturm sendet sein Licht nicht für sich selbst aus.
Er leuchtet, damit andere den Weg finden – sicher an Klippen vorbei, sicher in den Hafen.
Das ist eine stille, aber kraftvolle Idee: Wenn wir selbst gut verankert sind, wenn wir unser eigenes Licht kennen, dann können wir es auch teilen, ohne uns dabei zu verlieren.
Doch ein Leuchtturm ohne Strom leuchtet nicht. Bevor wir für andere da sein können – im Job, in der Familie, im Freundeskreis, darf zuerst das eigene Licht gut genährt sein. Deshalb beginnt jede Form des Gebens bei der Frage:
Wo leuchtest du – und ist dieses Licht gerade genährt oder ausgezehrt?
Der Sommer, der Urlaub, die bewusste Pause sind keine egoistischen Extras. Sie sind das Nachfüllen des Öls, das den Leuchtturm überhaupt erst zum Leuchten bringt.
Pratyahara: Sommer als Einladung Rückzug der Sinne

Einer der acht Pfade des klassischen Yoga (Ashtanga nach Patanjali) heißt Pratyahara – übersetzt als „Rückzug der Sinne". Es bedeutet, die ständige Reizüberflutung von außen für einen Moment auszublenden, um nach innen zu spüren. Kein Scrollen, keine Nachrichten, kein Grübeln über die nächste Aufgabe – nur der Atem, das Rauschen des Windes, das Spüren der Sonne auf der Haut.
Du kannst deinen Urlaub als eine verlängerte Pratyahara-Übung sehen. Das Reduzieren der äußeren Reize, um wieder zu hören, was (innen) wirklich ist.
Das kann man sich auch mitten im Alltag holen: 5 Minuten mit geschlossenen Augen, Handy weggelegt, nur der eigene Atem – ein kleiner Leuchtturm-Moment, jederzeit machbar.
Nidra: die Kunst der bewussten Ruhe

Ein Leuchtturm arbeitet nicht rund um die Uhr mit voller Kraft. Auch er hat seine ruhigeren Phasen, wenn gerade kein Sturm weht. Im Yoga gibt es die wunderbare Praxis von Yoga Nidra, dem „yogischen Schlaf" eine tiefe, geführte Entspannung, bei der der Körper vollkommen zur Ruhe kommt, während das Bewusstseins wach bleibt (nein, es ist nicht einfach schlafen). Zehn Minuten Yoga Nidra können sich anfühlen wie mehrere Stunden erholsamer Schlaf.
Gerade im Sommer, wenn die Hängematte lockt oder das Buch im Liegestuhl schwerer wird als die Augenlider, ist das der ideale Moment, um diese Praxis kennenzulernen. Nicht als Leistung, sondern als Erlaubnis:
Ich darf jetzt einfach nur sein.
Santosha: Zufriedenheit als Fundament

Die Yoga-Philosophie hat die sogenannten Niyamas, fünf innere Haltungen für ein erfülltes Leben.
Eine davon ist Santosha – Zufriedenheit,
das Annehmen dessen, was gerade ist.
Kein Sehnen nach dem nächsten Urlaub, während man im jetzigen sitzt. Kein Vergleichen des eigenen Sommers, Urlaubes mit dem scheinbar perfekteren auf Social Media.
Santosha bedeutet: Der Leuchtturm vergleicht sich nicht mit anderen Leuchttürmen. Er steht einfach an seinem Platz und leuchtet, so gut er kann, mit dem Licht, das er hat.
Svadhyaya: Selbststudium als stille Sommerübung

Ein weiteres Niyama ist Svadhyaya,
das Selbststudium –
das ehrliche, liebevolle Hinschauen auf sich selbst.
Der Urlaub, die ruhigeren Sommertage, bieten dafür einen wunderbaren Raum. Ohne den täglichen Trubel taucht oft die Frage auf:
Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht funktionieren muss? Wer möchte ich wirklich sein?
Fragen können helfen, dem mal bewusst Raum zu geben:
Was gibt mir wirklich Kraft – nicht kurzfristig, sondern nachhaltig?
Wann fühle ich mich am meisten „bei mir"?
Was müsste ich tun, um öfter zu diesem Ort zurückzufinden – auch außerhalb des Urlaubs?
Die Kunst - der Alltag: wenn der Körper anfängt, lauter zu sprechen
Ab Mitte 40 verändert sich etwas – oft schleichend, manchmal ganz plötzlich. Der Körper meldet sich nach einem langen Arbeitstag deutlicher als früher. Die Schultern sind verspannt, obwohl man scheinbar nichts Schweres getragen hat. Ein Knie zwickt beim Stiegensteigen, das vorher nie ein Thema war. Der Schlaf ist nicht mehr ganz so tief, die Erholung nach einem stressigen Tag dauert länger.
Gleichzeitig wird die Zeit für sich selbst gefühlt immer knapper. Der Kalender ist voll: Beruf, Familie, vielleicht schon die eigenen Eltern, die Unterstützung brauchen, dazu Enkelkinder, die Freude machen, aber auch Energie kosten.
Am Ende bleibt oft für die eigenen Bedürfnisse nur noch wenig Zeit, wenn überhaupt.
Genau in dieser Lebensphase wird Yoga zu mehr als eine Sportart. Es wird zu einem Werkzeug, um dem Körper wieder zuzuhören, Verspannungen sanft zu lösen, Beweglichkeit zu erhalten, auch um Kraft aufzubauen – und sich selbst, auch wenn es nur für zehn Minuten ist, wieder an die erste Stelle zu setzen. Nicht aus Egoismus, sondern aus der Einsicht heraus: Nur ein gut genährter Leuchtturm kann verlässlich leuchten.
Zum Mitnehmen in den Sommer
Der Sommer, der Urlaub, die bewusste Erholung sind keine Flucht aus dem Alltag – sie sind die Zeit, in der wir unseren inneren Leuchtturm neu ausrichten.
Fest verwurzelt, aber leicht. Nach innen gerichtet, um dann wieder nach außen leuchten zu können.
Vielleicht nimmst du dir in den kommenden Wochen einen Moment – am Strand, im Garten, auf der Yogamatte – und beantwortest für dich ganz persönlich:
Was ist dein Leuchtturm im Alltag?
Wo und wann leuchtest du?
Und was gibt dir die Kraft, immer wieder zu dir zurückzufinden?
Einladung: WaldYoga & Sound Healing

Wenn dich diese Gedanken ansprechen, möchte ich dich herzlich zu einer besonderen Sommer-Yogaeinheit „WaldYoga & Sound Healing" einladen – eine Verbindung aus Yoga, Natur und Soundhealing, mitten im Grün – im Wald.
Wir yogieren gemeinsam im Wald, begleitet vom Rascheln der Blätter und dem Gesang der Vögel als natürlicher Klangkulisse. Du darfst dich umrahmt von sanften, heilsamen Klängen mit Trommeln, Klangschalen, Gongs, Koshis, Ocean Drum u.v.m. sowie mit Naturklängen – in eine tiefe Entspannung tragen lassen. Eine Art Yoga Nidra unter freiem Himmel: Der Körper kommt zur Ruhe, die Sinne dürfen sich nach innen wenden (Pratyahara), und der eigene innere Leuchtturm bekommt Raum, wieder aufzuleuchten.
WaldYoga & Sound Healing ist die perfekte Sommerpraxis für alle, die:
nach einem stressigen Alltag echte Erholung suchen,
Yoga gerne draußen in der Natur erleben möchten,
sich nach tiefer Entspannung durch Klang und Stille sehnen,
ihren eigenen Leuchtturm neu ausrichten wollen.
Termine:
Do, 30.07., 18:30 - 20:00 Uhr und
Do, 20.08., 18:30 - 20:00 Uhr
bei mir in Gratkorn.
Komm gerne vorbei (zur Anmeldung), leg dich auf den Boden/die Erde, schließe die Augen – und finde zurück zu dir.
Wie du siehst, kann in jeder Situation des Lebens eine Verbindung zu Yoga hergestellt werden, wenn man tiefer als nur über die körperliche Ebene eintauchen möchte.
Ich wünsche dir einen erholsamen und leuchtenden Sommer.
Namaste, von Herzen
Roswitha

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